Gesundheitsrisiken

(Quelle: Positionspapier zu Gesundheitsrisiken beim Ausbau der Erneuerbaren Energien der Ärzte für Immissionsschutz vom 24.02.2015)

1. Gesetzliche Grundlagen:

Das Grundgesetz sichert in § 2 Abs. 2 jedem das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zu.

Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) behandelt die Zulässigkeit bzw. Unzulässigkeit von Immissionen in unsere Sinneswelt.

Das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) ist ein Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen.

 

2. Wichtige Begriffe:

Immission (aus dem Lateinischen) bedeutet „innenwändig eindringen” in Körperzellen.

Immissionen beruhen auf physikalischen Einwirkungen, die – biophysikalisch weiterverarbeitet – das Gehirn über Umwelteinflüsse informieren. Diese Wahrnehmung von Umweltreizen wird im Gehirn zur bewussten Wahrnehmung aufbereitet. Dies geschieht über komplexe neuronale (das Nervensystem betreffende) Verschaltungen.

Schall zählt zu den akustischen Immissionen. Man unterscheidet:

  • Ultraschall über 20.000Hz
  • Hörbarer Schall 16 – 20 Hz bis 20.000 Hz
  • Tieffrequenter Schall 20 Hz bis 200 Hz
  • Infraschall unter 20 Hz

Während des Umwandlungsvorganges von Wind in Energie kommt es am Windrad zu Druckwellen. Je langwelliger der Schall ist, desto durchdringender verhält er sich. Mit sinkender Schallfrequenz wird die Schallabsorption durch Dämmmaßnahmen wirkungslos. Infraschall lässt sich durch keine Schutzmaßnahmen bremsen, er nimmt nur langsam mit zunehmendem Abstand zu seinem Ursprungsort ab.

Innerhalb von Gebäuden sind häufig höhere Messwerte nachweisbar als davor, aber routinemäßige Messungen im Haus sind bisher nicht vorgeschrieben.

Infraschall ist noch in 10 km Abstand von Windenergieanlagen nachweisbar!

 

3. Die Risiken für die Gesundheit

Auslöser im Zusammenhang mit Windparkanlagen sind:

  • Schall/Infraschall
  • Periodischer Schattenwurf
  • Hinderniskennzeichnung/Befeuerung

Schall / Infraschall: Die Gefahr, durch Lärm zu erkranken, wird mit zunehmendem Alter immer größer. Die Hörbarkeit des Lärms beinhaltet zugleich eine Schutzfunktion: der Mensch versucht sich, dem störenden und möglicherweise schädigenden Lärm zu entziehen oder die Lärmquelle abzuschalten. Beim Infraschall versagt diese Schutzfunktion leider, weil er für unser Ohr unhörbar ist. Unhörbar bedeutet aber nicht automatisch unschädlich, man muss hier deutlich zwischen der Wirkschwelle und der Wahrnehmungsschwelle unterscheiden. Es gibt viele Noxen, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle schädliche Auswirkungen hervorrufen: UV-Licht wirkt, ohne gesehen zu werden, Kohlenmonoxid schadet, ohne dass man es riechen kann, man kann Toxine in Nahrungsmitteln nicht schmecken u.a.

Die Wirkungen der nicht gehörten, aber im Gehirn verarbeiteten Schallereignisse sind vielfältig:

  • Schlafstörungen, Panik, Blutdruckanstieg, Konzentrationsstörungen
  • Unsicherheit, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Übelkeit, Tinnitus, Druckgefühl im Ohr, „Seekrankheit“ (ausgelöst durch eine Veränderung der Flüssigkeiten im Innenohr, die zu einer Störung beim Gleichgewichtsorgan führt).

Vor allem periodisch auftretende Geräusche haben zudem eine erhöhte Stresswirkung. So kann es sein, dass auch Lärm, der unterhalb der erlaubten Richtwerte liegt, Gesundheitsstörungen hervorruft.

Für andere gut untersuchte Lärmquellen konnte nachgewiesen werden, dass Lärm (indem er stört und belästigt) als psychosozialer Stressfaktor nicht nur das subjektive Wohlempfinden und die Lebensqualität beeinträchtigt, sondern er beeinträchtigt auch die Gesundheit im engeren Sinn. Er aktiviert das autonome Nervensystem und das hormonelle System (beide vom Menschen nicht bewusst steuerbar, sehr wohl aber unbewusst!).

Die Folge können Veränderungen von Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren sein. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone aus, die ihrerseits in Stoffwechselvorgänge des Körpers eingreifen. Die Kreislauf- und Stoffwechselregulierung wird weitgehend unbewusst über das autonome Nervensystem vermittelt. Die autonomen Reaktionen treten deshalb auch im Schlaf und bei Personen auf, die meinen, sich an Lärm gewöhnt zu haben. Zu den möglichen Langzeitfolgen chronischer Lärmbelastung gehören neben den Gehörschäden auch Änderungen bei biologischen Risikofaktoren (zum Beispiel Blutfette, Blutzucker, Gerinnungsfaktoren) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie arteriosklerotische Veränderungen („Arterienverkalkung“), Bluthochdruck und bestimmte Herzkrankheiten, einschließlich Herzinfarkt. (Mersch-Sundermann, V., 2010).

Wird die Stresssituation zu einem Dauerzustand, kann die natürliche Abfolge von Stressbewältigung und Entspannung nicht stattfinden und es kommt zu den typischen Stressfolgen:

  • Störungen der Konzentration und des Gedächtnisses
  • Nervosität, Gereiztheit , Unzufriedenheit, Unausgeglichenheit
  • Angst, Unsicherheit, Aggressionen, Apathie (Teilnahmslosigkeit)
  • Chronische Müdigkeit
  • Schlafstörungen ( ⇒ Verschlechterung des Immunsystems ⇒ Infekte)
  • Herz-Kreislaufbeschwerden
  • Magenschleimhautentzündung, Verdauungsprobleme
  • Muskuläre Verspannungen

 

Periodischer Schattenwurf: Durch die betriebsbedingt periodische Bewegung des Rotors von Windkraftanlagen entsteht bei entsprechender Sonneneinstrahlung ein periodischer Schatten. Dieser sogenannte Schlagschatten führt unter Umständen zu Stress mit den oben genannten Begleit- und Folgeerscheinungen.

 

Befeuerung/Hinderniskennzeichnung von Windenergieanlagen: Für die notwendige Nachtkennzeichnung dürfen in Deutschland nur rote Feuer verwendet werden. Dabei werden Befeuerungen mit und ohne Synchronisation eingesetzt. Diese Hinderniskennzeichnung wird als ähnlich belästigend beschrieben wie der periodische Schattenwurf, infolgedessen je nach Intensität Aufmerksamkeitsstörungen und Funktionsänderungen verschiedener psychischer und somatischer Systeme auftreten können, die wiederum zu Stress führen.

Die Betroffenen versuchen, durch verschiedene Maßnahmen diesen Stress zu reduzieren: Anbringen und Einsatz von Sichtschutz, weniger Aufenthalt im belasteten Schlafzimmer, Einnahme von Schlafmitteln. Vor allem eine Einnahme von Schlafmitteln kann mit erheblichen Konsequenzen verbunden sein und ist sehr als problematisch einzuschätzen. (Hübner & Pohl 2010).

 

Jeder Mensch als Individuum reagiert unterschiedlich schnell auf Stressfaktoren, sodass also auch die möglichen Schädigungen unterschiedlich schnell und mit variierender Intensität realisiert werden.

 

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