Am 08. Oktober 2015 übergaben die Vertreter der Bürgerinitiative Dettelbach und Ortsteile der Ersten Bürgermeisterin Frau Konrad nicht nur den Antrag auf einen Bürgerentscheid und die entsprechenden Unterschriftenlisten, sondern auch einen „Offenen Brief“. Dieser Brief wurde zeitgleich an die Stadträtinnen und Stadträte von Dettelbach und an die Ortssprecher von Effeldorf, Schernau und Neusetz verschickt.

Hier der Offene Brief im Wortlaut:

 

Bürgerbegehren „Windkraft mit Abstand“
Bürgerinitiative „Dettelbach und Ortsteile“

An die Bürgermeisterin Frau Konrad
und die Stadträtinnen/Stadträte der Gemeinde Dettelbach

Offener Brief an die kommunalen Entscheidungsträger bezüglich des geplanten Windparks im Gebiet „Am Hügelacker/Am Sämer“

Sehr gehrte Frau Konrad, sehr geehrte Stadträtinnen/Stadträte,

mit diesem Brief wenden wir uns an Sie, um Ihnen unsere Argumente, Bedenken und Sichtweisen zum geplanten Windpark „Am Hügelacker/Am Sämer“ näher zu bringen.

Wie Sie wissen, liegt ein Bürgerbegehren zur Einhaltung der 10H-Abstandsregel im ganzen Gemeindegebiet Dettelbach vor, welches momentan über 1550 Unterschriften beinhaltet.

Wir, die vor allem Betroffenen aus Bibergau, dem Gebiet Mühlbachtal, Point, westliches Stadtgebiet, aber offensichtlich auch viele weitere Bürger der Gemeinde Dettelbach und Ortsteile, bitten Sie hiermit nochmals eindringlich, dem Bürgerwunsch nachzukommen und die 10H-Abstandregelung für das gesamte Dettelbacher Stadtgebiet zu beschließen.

Damit wäre auch der sonst unbedingt nötige, kosten- und zeitintensive Bürgerentscheid für Sie, die Gemeinde Dettelbach und uns, überflüssig und es würde wieder Ruhe im Gemeindegebiet Dettelbach einkehren.

Im Folgenden haben wir die maßgeblichen Gründe für eine Ablehnung des geplanten Windparks „Am Hügelacker/Am Sämer“ zusammengefasst.


1. Beeinträchtigung der Gesundheit der Bürger

Wichtigstes Argument, nicht nur unseres Erachtens (in anderen Staaten wie z.B. Großbritannien wissenschaftlich bereits anerkannt!), ist die gesundheitliche Beeinträchtigung durch derartige Windkraftanlagen. Im GG Art.2 Abs.2 ist jedoch das Recht auf Gesundheit verankert.

Die Gesundheitsgefährdung entsteht u.a. durch den Lärm dieser Anlagen. Man wird die Windräder bei Betrieb merklich hören – bei idealen Bedingungen 24 Stunden am Tag. Nicht nur in Bibergau oder im Mühlbachtal (Naherholungsgebiet), sondern auch im Stadtgebiet Dettelbach und in Mainsondheim werden die Bürger durch den Lärm belästigt, da der Wind bekanntlich überwiegend aus Westen kommt und dann die Schallwellen dorthin mitführt.

Das Geräusch kann man mit einem Passagierflugzeug am Himmel vergleichen. Diese Mehrbelastung an Lärm (zusätzlich zum Verkehrslärm durch B22 und A3) möchten die Bürger im Gemeindegebiet Dettelbach nicht. Denn Lärm macht nachweislich krank.

Den wesentlichen, am meisten krank machenden Teil dieses Schalls, den sog. „Infraschall“, jedoch hört man nicht. Dabei handelt es sich um unhörbare Luftschwingungen (Druckschwankungen) mit sehr tiefen Frequenzen unter 100 Hertz, so langsame Schwingungen der Luft, dass sie das Ohr nicht registrieren kann. Dafür aber umso besser der gesamte menschliche Körper! (Sie haben sicher schon in einer Kirche sehr tiefe Orgeltöne körperlich gespürt.) Und das Gehirn als Empfänger arbeitet mit Frequenzen genau in diesem Infraschallbereich von 4 Hz (bei Tiefschlaf) bis 30 Hz (bei „Volllast“).

Zusätzlich liegt das geplante Gebiet des Windparks südostlich von Bibergau, welches selbst tiefer gelegen ist. Dies führt bei tiefstehender Sonne im Frühjahr, Herbst und Winter zu einem unvermeidlichen Schattenwurf der Sonne durch die Rotorblätter (gerade momentan kann man selbst den Sonnenstand am Morgenhimmel in Bibergau beobachten). Auch diesen Schattenwurf möchten die Bürger nicht, da er der Gesundheit schadet.

Ein weiteres Problem ist das reflektierte Licht am Rotor des Windrades (sogenanter „Disco-Effekt“), welches dann dazu führt, dass ein aufblitzendes Lichtspiel im Garten und/oder in der Wohnung zu sehen ist.

Die erhebliche Zunahme verschiedenster gesundheitlicher Beeinträchtigungen (wie Schlafstörungen, Kopfschmerzen, massives Nachlassen der Konzentration, Tinitus, Migräne, Schwindelgefühl, Blutdruckerhöhung, Schwangerschaftsprobleme, Beeinträchtigungen der Herzfrequenz, Reizbarkeit, Gedächtnisprobleme, Angstzustände) sind u.a. bei Untersuchungen in Großbritannien nachgewiesen worden, weshalb dort Windräder gesetzlich mindestens 3000 m von Wohngebieten entfernt stehen müssen. In Dänemark wurden aktuelle und neue Planungen für Windkraftanlagen politisch für mindestens zwei Jahre auf Eis gelegt, nachdem auch hier deutliche Anzeichen für den Zusammenhang mit Erkrankungen von Mensch und Tier vorliegen. Zu bedenken ist vor allem, dass die Anwohner im Umfeld von WKAs diesen Belastungen permanent ausgesetzt sind.

Nein, wir wollen keine „Versuchskaninchen“ im Großversuch „Am Hügelacker/Am Sämer“ sein!


2. Beeinträchtigung von Landschaft und Natur

Die geplanten mindestens 200 m hohen Windräder werden von fast allen Gebieten in der Gemeinde Dettelbach aus zu sehen sein und verschandeln dann unser Landschaftsbild. Dies liegt doch nicht im Interesse der Gemeinde Dettelbach, welche erst zuletzt den Einbruch des Tourismus moniert hat.

Fakt ist: Die geplanten Windräder werden keine zusätzlichen Touristen anziehen, sondern nur den Rückgang der Touristenzahlen nach sich ziehen. Wollen Sie das? Denken Sie allen Ernstes, Winzer und Hotelbetreiber wollen das?

Unsere Landschaft würde verunstaltet und ein paar wenige (z.B. Landbesitzer) würden davon profitieren. Dies muss nicht sein!

Wir müssen unsere schöne fränkische Heimat bewahren!


3. Fragliche Gewerbesteuereinnahmen

Die Gewerbeeinnahmen der Stadt Dettelbach durch den geplanten Windpark sind äußerst fraglich, da wir in einer windschwachen Region leben (s. Bayerischer Windatlas). Also wird die Gemeinde u.U. noch nicht einmal in finanzieller Hinsicht einen Nutzen aus dem Windpark ziehen.

Warum möchte der Stadtrat dann Windräder?


4. Wertminderung der Immobilien durch den geplanten Windpark

Immobilien in Sichtweite zu Windparks verlieren nach unabhängigen Schätzungen zwischen 50 und 70 Prozent an Wert – wer kauft sich schon eine derartige Umgebung für teures Geld?

Die Geldgier einiger weniger (unter dem Deckmäntelchen „Energiewende“) wird von der großen Mehrheit teuer bezahlt.


5. Scheinargument Klimaschutz

Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind die letzten, die sich gegen den Klimaschutz aussprechen. Es geht hier nicht um eine generelle Ablehnung der Windkraft, wie uns gerne unterstellt wird. Vielmehr geht es um eine vernünftige Standortwahl!

Hinzu kommt, dass gerade Sie mit Klimaschutz nicht argumentieren sollten.

Im Falle des gebauten Neuseser Windrades waren Sie auch gegen (!) den Bau, also spielt das Argument „Wir müssen etwas gegen den Klimawandel machen“ (Zitat der Bürgermeisterin in der Bürgerwerkstatt) offensichtlich keine Rolle. Dass der Klimawandel nicht das Hauptkriterium ist, sah man auch in der letzten Stadtratssitzung am 28.09.2015, in der Sie die Verlängerung der Freiflächen-photovoltaikanlage in Schnepfenbach nicht genehmigt haben und eine Sitzung zuvor die Errichtung von Photovoltaikanlagen an Bahngleisen auch nicht befürworteten.


6. Einhaltung der 10-H-Abstandsregel

Bitte beachten Sie zudem die 10-H-Abstandsregel von Windanlagen der bayerischen Staatsregierung. Schonen Sie dadurch die Gesundheit der Bürger und unser Landschaftsbild, um den Standort Dettelbach weiterhin attraktiv und lebenswert zu erhalten.


7. Beeinträchtigung von denkmalgeschützten Gebäuden

In Bibergau und im Bibergauer Grund (3 Mühlen; Einzeldenkmäler) befinden sich denkmalgeschützte Gebäude, deren Gesamtbild durch die geplanten Windräder massiv beeinträchtigt wird. Inwieweit die Gebäude dann noch denkmalschützenswert sind, müssten Fachleute bewerten.

Nun hat es der Stadtrat in der Hand, dem Vorhaben ein vernünftiges Ende zu setzen!

Sie wurden gewählt, um das Wohl der Bürger zu schützen

und nicht um die Gesundheit der Bürger zu schädigen.

Viele Bürger/Innen zählen nun auf ihre Weitsicht und Ihren Einsatz. Die Wähler/Innen werden Ihnen Ihre Entscheidung für die Einhaltung der 10-H-Abstandsregel im Gemeindegebiet Dettelbach in näherer Zukunft danken.

Mit freundlichen Grüßen

als Vertreter der Bürgerinitiative „Dettelbach und Ortsteile“

Norbert Schneider                               Oswald Reh                            Jochen Beck